Advertisement
Reflexionen PDF Drucken E-Mail

Ungesunde Früchte der Globalisierung

 

 

 

 

Das neue Jahr hat mit wenig guten Schlagzeilen begonnen. Die Sekte Boko Haram in Nigeria mordet Christen und stellt Ultimaten. Der Norden Nigerias soll zu „rein islamischem“ Gebiete werden.

Auf den Malediven ein Auf und Ab: Sollen Wellnessbereiche nun verboten werden oder nicht?

 

 

 

Ein trauriges Paradox:

Da scheint sich Geschichte, nur unter umgekehrten Vorzeichen zu wiederholen. War im Mittelalter Europa wenig fähig, mit Minderheiten umzugehen, lebte damals die arabische Welt eine seinerzeitig fortschrittliche Toleranz vor. Während in Europa vielerorts probiert wurde, ein „religiös einheitliches Gebiet“ zu schaffen, fanden verfolgte Juden in der muslimischen Welt Zuflucht. Dort lebten auch einheimische Christen.

Schweizer Muslime betonen heute oft, wie wichtig Bildung sei, und zitieren einen Hadith, wonach Muhammad gesagt hat, wir sollten Bildung / Wissen suchen, und sei es in China… Tatsächlich war das islamische Mittelalter dem Westen weit voraus.

Doch jetzt scheint nicht der moderne Westen das Vorbild, sondern es werden quasi die Fehler des mittelalterlichen Europas nachgemacht: in blutigen Kämpfen sollen religiös einheitliche Zonen geschafft werden, und Bildung / Wissen wird nicht mehr gesucht, sondern als Sünde gebrandmarkt (Boko Haram meint soviel wie „Westliche Bildung ist Sünde“).

Als die Mauren Spanien verliessen, hörte auch die Bäderkultur auf. Es begann wieder zu stinken, überliefern die Chroniken. 27‘000 Bäder (Hammamat) gab es im Bagdad des 10. Jahrhunderts, dem Bad eignet sich einerseits ein sakraler Moment an (der Hammam galt oft als Vorraum der Gebetshalle) – aber fraglos spielt der Hammam auch eine zentrale Rolle in der Erotik des Orients. Auf den Malediven nun sollen Bäder „als westlich verdorben“ verboten werden – dabei gehören sie mindestens sosehr in die islamische Kultur als wie zur neuzeitlich-westlichen, wenn nicht weit mehr.

(Lesenswert dazu „und überhaupt“ Malek Chebel: Die Welt der Liebe im Islam. Eine Enzyklopädie. München 1997)

Mark Twain sagte mal, unwissende schlechte Prediger würden mehr Unheil anrichten, als es zig gute wieder gutmachen könnten. Ich vermute, das gilt auch für die muslimische Welt… Viel Sektiererisches, Militantes wird wohl mehr von Predigern herkommen, als aus der Tradition oder dem Koran. In den USA kam letztes Jahr eine interessante Studie heraus. Sie zeigte: „Bibel-Lesen mach liberal“. Viele erzkonservative Ansichten von Amerikanern des „Bible-Belts“ kommen nämlich von gehörten Predigten – und haben wenig Anhaltspunkte in der Bibel.

Ich vermute sehr, das gleiche gälte auch für manche Muslime und den Koran. Zumindest selber erlebt habe ich das letztes Jahr an einem Stand des „Islamischen Zentralrats der Schweiz“ bei der Igelweid in Aarau. Der bärtige junge Mann gab jedenfalls zu, dass er den Koran halt nicht so gut kenne, als ich ihn mit anderen als seinen Lieblingsversen konfrontierte.

Ich wünsche mir, dass Christoph Bopp Recht bekommt: „Wir haben gelernt, die friedliche Seite der Religion zu leben. Andere werden uns dabei nachfolgen.“

Thomas Markus Meier, Präsident des airak

 

 

 

 

 

 

 

Diese Zeilen sind als persönliche Meinung zu verstehen. Sie wurden weder diskutiert noch verabschiedet.